Frau im Stress Maskottchen

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Eine Kurzgeschichte aus dem Heft "Supergirls im Stress" von November 2005, aktuell überarbeitet für unsere treuen Leser:

DIE RACHE DER KLEINEN SUPERHELDIN

Auch rosa Kuschelhäschen wie wir haben sie manchmal: die Wut im Bauch. Wohin damit, wenn man nicht weiß

a) warum
b) auf wen
oder wenn
c) derjenige nicht ans Telefon geht?

Das Zauberwort heißt abreagieren. Und da wir niemals jemandem weh tun könnten, hier unsere Kuschel-Spezialtipps:

    Die erste Wahl ist natürlich Kampfsport. Nur manchmal geht das nicht, weil man sich vielleicht das letztemal beim Zuschlagen die Hand verletzt hat. Aber es gibt Alternativen, zum Beispiel

    Pappteller an die Wand werfen. (Gibt's günstig im 1000er-Pack bei 'Papier Stein', Landsbergerstr. 212, 80687 München)

    Kleiderfehlkäufe der letzten Monate in kleine Fetzen schneiden und als Putzlumpen wiederverwenden (Vorsicht mit der Schere) Wir wollen darauf hinweisen, dass wir *nicht* dafür sind, die Kleider des Partners zu zerschneiden, nur weil er uns geärgert hat. Nicht dass wir nachher eine Klage am Hals haben - also Finger weg!

    Putzen. Und zwar gründlich. Dämpfe tief einatmen.

    Mit Töpfen und Pfannen Lärm machen. Beliebt als vielseitige nonverbale Anklage von Hausfrauen in aller Welt. Wir aber sind lieb und schicken den Partner und/oder Kinder und Haustiere vorher raus.(Früher gab es noch Teppichstangen und prima Teppichklopfer dazu; leider ist mit dem Siegeszug des Staubsaugers diese schöne Möglichkeit, Arbeit und Abreagieren zu verbinden, fast ausgestorben)

    Einfach mal unfreundlich sein zu Leuten, die Telefonumfragen machen. Ruft ja praktisch jeden Tag so jemand an.

    Den Partner fragen, ob er mit uns einen Tangotanzkurs machen will. Wenn er nein sagt, die Beziehung gründlich analysieren. Das kann auch als interessantes Abendprogramm dienen, und wirkt noch intensiver, wenn man folgende Tipps beachtet: am besten noch vor dem Essen anfangen; oder wahlweise, während der Partner fernsieht. (Tatort oder Bundesligaspiele eignen sich z.B. gut). Danach entweder versöhnen oder die anderen Punkte auf unserer Liste abarbeiten.

    Die Stiefel mit den lauten Absätzen anziehen und im Stechschritt auf der Straße laufen. Wenn dann alle kucken, aufsässig zurückkucken mit einem Blick, der sagt: 'Hey- schaust du mich an oder was?!' (Laut sollte man das allerdings nicht sagen - das kann nur entweder gefährlich sein oder total lächerlich wirken)

    Die Flaschen der letzten Monate nach 19.00 in den Glascontainer pfeffern. Nichts scheppert schöner. Und wenn jemand sich beschwert, um so besser. Als Spießer beschimpfen und für alle Übel der Welt verantwortlich machen. Da führt eins zum andern. Und nach ein paar Minuten ist derjenige sowieso außer Hörweite. Sollte man Polizeisirenen kommen hören, zügig heimgehen.

    Brot backen. Den Teig gründlich mißhandeln. Das steinharte Ergebnis mit Schmackes in die Tonne hauen und laut sagen: 'Wer bäckt denn noch selbst Brot? So ein Schwachsinn!'. Pizza bestellen.


copyright Annegret Reimann, 2005